Kurze Zeit nachdem ich den Blogbeitrag Mobile Websites bald relevanter als Apps? veröffentlicht habe, hat mich Peter (Danke!) auf eine interessante Untersuchung der Unternehmensberatung Global Intelligence Agency hingewiesen, die sich mit der Problematik native Applikation versus Web-basierte Applikation auseinandergesetzt hat. Momentan ist es immer noch eine schwierige Entscheidung, ob eine native App oder eine Web App zur Erfüllung der gesteckten Ziele eingesetzt werden soll. Ist man gezwungen, sich für eine Variante zu entscheiden, gilt es viele Faktoren zu beachten und ein grundlegendes Wissen zu den Vor- sowie Nachteilen der Ansätze zu besitzen. Das White Paper der GIA bietet dazu sehr interessante Informationen, die euch folgender Beitrag näher bringen soll.
Die grundlegenden Charakteristika der konträren Ansätze sind schnell zusammengefasst:
Native App
- Eine speziell entwickelte Applikation, die nur auf einem bestimmten Endgeräte-Typ und dessen Betriebssystem lauffähig ist.
- Möchte man den Funktionsumfang auf anderen Endgeräten oder Plattformen anbieten, muss erneut eine angepasste Applikation programmiert werden.
Web App
- Eine Applikation, bei der im Zuge der Nutzung alle oder nur bestimmte Teile der Applikation aus dem Web geladen werden.
- Die Anwendung kann gewöhnlicherweise auf allen Web-fähigen Endgeräten ausgeführt werden.
Die Frage, ob eine native App oder eine Web App programmiert werden soll, hängt von vielen Faktoren ab. Diese Faktoren sind je nach Zielsetzung unterschiedlich gewichtet und besitzen jeder für sich Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt:
Gestaltung der Bedienoberfläche
Native Applikationen sind Web Applikationen in zweierlei Hinsicht überlegen: zum Einen in Sachen Performanz, zum Anderen können bisher nur sie auf die Schnittstellen von GPS-Empfänger, Kamera, Adressbuch oder Beschleunigungssensor zugreifen.
Abrechnung
Web Apps oder mobil-optimierte Websites offerieren eine größere Auswahl an Bezahlverfahren und sind im Gegensatz zu nativen Apps nicht zwangsläufig an das Bezahlsystem des jeweiligen App Store oder Mobilfunk-Provider gebunden.
Reichweite
Mobile App Stores ziehen insgesamt mehr Nutzer an. Im Gegensatz dazu erlauben es Web Apps dem Produkt- oder Dienstleistungsanbieter mit vergleichsweise geringerem Aufwand nahezu alle Smartphone-Plattformen anzusprechen. Denn bei der Entwicklung einer nativen App muss diese für jede Endgeräte-Plattform neu entwickelt werden.
Return on Investment
Die Kosten für Entwicklung und Nachbesserungen bei nativen Apps sind gewöhnlicherweise höher als bei Web-basierten Applikationen. Für die Entwicklung einer nativen App spricht allerdings, dass die App Stores für die sie entwickelt wurden höhere Erlöse generieren, z.B. aufgrund der größeren Nutzerzahl und dem integrierten Bezahlverfahren.
Zeitabstand bis zum Marktstart
Web Apps lassen sich oftmals schneller zur Verfügung stellen als native Apps, weil sie beispielsweise nicht vom App Store-Schirmherr auf eventuelle Schwachstellen oder schädlichen Code untersucht werden müssen (Approval-Prozess). Wird durch die App auf bestimmte Schnittstellen zugegriffen, die laut App-Distributor nicht zugelassen sind, kann sich die Veröffentlichung einer App schnell um Tage bis sogar Wochen verzögern.
Auffindbarkeit
Jeden Tag steigt die Anzahl an Applikationen in den App Stores. Somit wird es immer schwieriger zu sagen, ob es leichter ist ein Produkt oder eine Dienstleistung in Form einer Applikation im App Store oder im mobilen Web zu finden.
Nutzerstatistiken
Web Applikationen oder mobil-optimierte Websites eröffnen eine direkte, ungefilterte Auswertungsmöglichkeit des Nutzerverhaltens als dies bei nativen Applikationen möglich ist. Aus der Vielzahl der gewonnen Daten ist es dann wiederum möglich, Cross-Selling-Logiken einzubinden, mit denen eine noch höhere Kundenbindung erreicht werden kann.
Der bedeutendste Aspekt hinsichtlich des Funktionsumfangs einer Web App und des damit in Verbindung stehenden Mehrwerts ist der Zugriff auf Geräte-interne Schnittstellen. Ein im Zuge der Untersuchung durchgeführtes Interview mit Dominique Hazael-Massieux des W3 Komitees (W3C) vom 29.3.2010 lässt hoffen, dass in den kommenden 3 Jahren auf grundlegende Schnittstellen zugegriffen werden kann.
Darüber hinaus eignen sich Web Apps hervorragend bei der Kundenansprache über mehrere Geräte hinweg (Multi-Channel), wobei native Applikationen ihre Stärken vorwiegend in Prozessor- und Grafik-lastigen Anwendungsfällen ausspielen sollten.
Zusammengefasst lässt sich momentan immer noch nicht sagen, ob eine Web App oder eine native App das Mittel der Wahl ist. Festhalten kann man jedoch, dass sich ein Trend hinsichtlich verbesserter Webtechnologien (HTML5, CSS3) für den Zugriff auf Geräte-interne Schnittstellen erkennen lässt, bei dem die starren Grenzen zwischen Web App und nativer App immer weiter verschwimmen. Letztendlich sollte die Nutzerzufriedenheit im Vordergrund stehen – egal ob Web App oder native App.




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