Neben iPhone OS 4.0 und neuen Funktionalitäten hat Apple am 08. April 2010 das Konzept hinter “iAd” vorgestellt und ich bin positiv überrascht. Zwar kenne ich mich im Detail nicht mit dem State of the Art für mobile Werbung aus, aber im Zuge der vorgestellten Möglichkeiten hat Apple hier für mich den Anstoß für eine Revolution des mobilen Werbemarktes gegeben.
Gefühlt beschränkt sich meiner Meinung nach ein Großteil der mobilen Werbung heutzutage noch auf Textbanner oder animierte Gifs wie man sie aus den 90er Jahren des Desktop-Internet kennt. Für diese Form der Werbung hat die Masse der Internetnutzer seit Jahren einen Abwehrmechanismus namens ”Banner Blindness” (vgl. banner blindness auf en.wikipedia.org) entwickelt, wobei diese Art der Werbung schlichtweg ausgeblendet und vom Nutzer nicht wahrgenommen wird.
Überträgt man diese Form der Werbung auf mobile Endgeräte, wird der Nutzer sie nicht nur ausblenden (weil er es so gelernt hat), sondern sich darüber hinaus vom Vorhandensein des Banners bzw. dessen Verhalten (Animation, Töne, Bewegung) genervt fühlen, weil es Platz auf dem bereits sehr beschränkten Bildschirm einnimmt, der für andere Funktionen genutzt werden könnte oder den Nutzer von seinem eigentlichen Vorhaben ablenkt.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Formen mobiler Webung, wie z.B. SMS- oder MMS-Meldungen. Diese halte ich persönlich für nicht-interaktiv genug und nicht mehr zeitgemäß, sodass mit dem heutigen Stand mobiler Hardware, Bandbreiten und Ansprüche der Nutzer eine neue Form mobiler Werbung Einzug halten muss.
Hier kommt nun Apples neuer Ansatz ins Spiel: iAd bzw. In-App-vertising. Geworben wird nicht mehr auf einer mobilen Webseite per Banner oder per Textnachricht sondern innerhalb einer Applikation. Steve Jobs rechtfertigt diesen Ansatz mit der Aussage, dass Apps aufgrund des Funktionsumfangs geeigneter zur Einbindung von interaktiven Elementen und damit einhergehend zum Transport von Emotionen sind. Nutzer sind bereits durch die Vorteile der Funktionen einer App an diese gebunden und diese positive Bindung lässt sich auf die eingebettete Werbung übertragen. Darüber hinaus bleibt der Nutzer innerhalb der App und verlässt sie nicht, z.B. wird er nicht auf eine Microsite weiter geleitet. Aus diesen Gründen macht es Sinn, zukünftig interaktive Werbung innerhalb einer App zu platzieren.
Zum Konzept und zur Reichweite, die ein Advertisement durch die Einbindung in eine App haben könnte, äußerte sich Jobs folgendermaßen:
“Nutzer verbringen durchschnittlich jeden Tag 30 Minuten mit iPhone-Apps. Wenn wir beispielsweise alle drei Minuten eine Anzeige einspielen, sind das zehn Stück pro Tag. Wir werden bald 100 Millionen Geräte im Markt haben. Das wären also pro Tag eine Milliarde Chancen für Anzeigen.”
Durch die Entwicklung will Apple laut Aussage Steve Jobs kein eigenes Werbenetzwerk aufbauen, sondern vorrangig iPhone-Entwickler unterstützen und ihnen ermöglichen, mit Hilfe von Werbung die Kosten ihrer Applikationen zu refinanzieren. Die Einnahmen verteilen sich wie folgt auf: Apple behält 40%, die Entwickler bekommen 60%. Apple übernimmt zudem das Hosting und den Verkauf der Werbeanzeigen und stellt die notwendigen Serverkapazitäten zur Verfügung.
Wie die Einbindung einer iAd in eine Applikation aussieht, soll folgendes Video näher verdeutlichen:
Dazu muss gesagt werden, dass die Werbung komplett in HTML5 umgesetzt wurde und einige Funktionen erst durch den Zugriff auf iPhone-interne APIs möglich sind. Dies ist (momentan) ein enormer Vorteil des In-App-vertisement gegenüber Werbung auf mobilen Webseiten.
Die gezeigten iAd-Beispiele (Toy Story 3-Film, Nike und den nach Wal Mart zweitgrößten Discounter in den USA Target) sind in eine von Apple selbst erstellte Applikation eingebettet.
Die gezeigten Funktionen sind:
- multimedial
- Text
- Bild (Nutzung als Wallpaper möglich)
- Audio
- Video
- und interaktiv
- Spiel
- Ortsbezogene Darstellung von Geschäften in der Nähe
- Downloads (In-Ad-Purchase – Kauf einer App innerhalb des Advertisement, ohne das Adertisement / die Hauptapplikation verlassen zu müssen)
Was Apple hier zeigt, bedeutet einen großen Umschwung in der mobilen Werbeindustrie. Neue Standards in Sachen Funktionalität und Multimedia wurden definiert und Erwartungen der Nutzer um einiges höher geschraubt. Mit diesem Ansatz hat Apple einen weiten Schritt nach vorn gemacht und sich von etablierten Werbeanbietern klar abgegrenzt.
Jetzt müssen diese Nachziehen und Nutzer sowie Unternehmen werden von der neuen Vielfalt profitieren. Einziger Wehrmutstropfen bleibt der schon des Öfteren bemängelte Zulassungsprozess im AppStore sowie die Freigabe bzw. Regelementierung von APIs hinsichtlich des Funktionsumfangs einer iPhone Applikation. Wie Apple sich hier verhält, müssen wir abwarten.
Zu guter letzt hier noch der Link zur Keynote vom 08. April 2010:



