Amazon App
Sebastian Rupley von GigaOM hat sich einige Gedanken zur Thematik Mobile Apps vs. Suchmaschinen gemacht. Kurze Hintegrundinfo: GigaOM ist ein Netzwerk, respektive Blog, der sich mit aufstrebenden Technologien und deren Anwendungsgebieten befasst. Rupleys Äußerungen habe ich in diesem Blogbeitrag aufgegriffen und werde hier und dort eigene Überlegungen mit einfließen lassen.
Es geht um die Frage, ob Mobile Apps eine ernstzunehmende Gefahr für das traditionelle Suchmaschinengeschäft darstellen. Vorweg: Diese Frage kann man mit einem “Ja, aber…” beantworten. Warum? Das folgt nun:
“Ja”, weil Mobile Apps dem Nutzer direkten Zugriff auf eCommerce-Plattformen wie z.B. Amazon ermöglichen oder direkt auf mit der App verdrahtete Websites verlinken.
Mobile Apps könnten sich somit als direkte Vertriebskanäle entwickeln und die klassische Produktsuche per Suchmaschine sowie das damit verbundene Suchmaschinenmarketing überflüssig machen.
Die Anzahl an Mobile Apps steigt rapide und jedes Unternehmen, jede Marke, jeder Dienstleister könnte früher oder später eine App anbieten und sich so von den vergleichsweise hohen und regelmäßigen Keyword-Kosten des Suchmaschinenmarketing lösen.
Rupley nennt in diesem Zusammenhang 4 Gründe, warum Mobile Apps das bestehende Modell des Suchmaschinenmarketing gehörig ins Wanken bringen könnten:
1. Überbrückung der “Websurfing”-Suche
Versierte Internutzer werden es kaum glauben, aber ein Großteil der Suchanfragen besteht laut Rupley aus so genannten “navigational searches”. “Navigational search” habe ich mit dem Begriff “Websurfing”-Suche übersetzt, weil es im Kern darum geht, dass Nutzer das Stichwort des Unternehmens, der Marke oder des Dienstleisters in die Suche eingeben, um auf die entsprechende Website zu gelangen – z.B. “Amazon” bei Google, um darüber auf die Amazon-Website zu kommen.
Diese Suchen bzw. deren entsprechende Schlagwörter lassen sich seitens der Suchmaschinenanbieter sehr gut monetarisieren. Mobile Apps können in diesem Fall die kostenintensiven Suchterme wie “Amazon xy”, “AutoScout xy”, “eBay xy” etc. ersetzen und würden den Interessenten/Kunden direkt zum eCommerce-Angebot des Unternehmens, der Marke, des Dienstleisters führen – ohne den Umweg über eine Suchmaschine.
2. Direkte Produktsuche
Vergleichbar mit der Websurfing-Suche lassen sich Produkt-bezogene Suchen und deren Schlagwörter ebenfalls sehr gut vermarkten – Mobile Apps, die speziell für die Produktsuche konzipiert sind, könnten die Suche als Mittler zwischen Suchendem und Produkt ebenfalls überflüssig machen. Heutzutage existieren bereits mobile Anwendungen, die Barcodes scannen, das gewünschte Produkt sowie detaillierte Informationen anzeigen und im Anschluss den Preis vergleichen können. Durch diesen Anwendungsfall wäre die klassische Suche ebenfalls außen vor.
Praktische Beispiele wären Google Goggles oder Woabi.
3. Sichtbare Platzierung
Smartphones sind hoch-personalisierte Endgeräte mit einer Vielzahl an Möglichkeiten um auf unterschiedlichste Online-Dienste zuzugreifen. Aus diesen beiden Gründen konkurrieren Unternehmen, Marken oder Dienstleister um die Platzierung ihres Icons im (ständig) sichtbaren Bereich des kleinen Bildschirms. Wer sich einen Platz im Idle- oder dem Home-Screen sichern kann, hat einen gewissen Vorteil gegenüber den Icons/Anwendungen, die im nicht sofort sichtbaren Bereich des Bildschirms abgelegt sind. Die Anwendungen “weiter hinten” sind nämlich der Gefahr ausgesetzt, dass sie leichter in Vergessenheit geraten und somit kaum bis garnicht genutzt werden – ganz nach dem Sprichwort: “Aus den Augen, aus dem Sinn”.
Für ein vergleichbares Prinzip zahlt Google seit Jahren Millionen an Mozilla, damit die Google-Suche im sichtbaren Bereich des Firefox-Browsers platziert wird (rechts oben, neben der URL-Zeile). Auf diese Weise lenkt Google die suchenden Nutzer gezielt in ihr Such- und Werbenetzwerk.
4. Gewöhnung
Die Nutzer werden sich im Laufe der Zeit daran gewöhnen, ihre Suche nach Produkten oder Dienstleistungen direkt mit der passenden App durchzuführen, z.B. mit der Amazon App für Bücher oder der Nike App für Schuhe. Sind die Nutzer erst einmal soweit, werden sie sich schwer tun mit Googles Keyword-bezogenen Linklisten und Werbebannern.
Aus diesen Punkten können zwei Schlussfolgerungen gezogen werden:
Zum Einen, dass jedes Unternehmen, jede Marke oder jeder Dienstleister eine App anbieten sollte, um dadurch ohne den Umweg über eine Suchmaschine wie Google in direkten Kontakt mit dem Nutzer treten zu können.
Zum Anderen steigt dadurch auch die Erwartungshaltung der Nutzer/Kunden, dass das bevorzugte Unternehmen eine App anbietet.
Und nun der Teil mit dem “aber…”
Ist also Googles Kerngeschäft mit voranschreitender Entwicklung der Mobile Apps in Gefahr?
Theoretisch Ja, aber…
nicht wirklich – die klassische Suche wie wir sie kennen wird es meiner Meinung nach auch weiter hin geben, da wir es zum einen gewohnt sind sie zu nutzen und zum anderen es sicherlich auch Suchfälle geben wird, die nicht durch eine App abgedeckt werden können.
Darüber hinaus hat Google bereits verstanden, dass Mobile Apps eine sehr gute Ergänzung zum bestehenden Suchmaschinengeschäft und weiterer Google-Dienste wie z.B. Cloud-basierte Dienste wie Google Docs oder mobiler Werbung sein können. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Google am 05. Januar 2010 ein eigenes Smartphone – das Nexus One – auf den Markt gebracht hat, auf dem eine Vielzahl von Google-Diensten bereits vorinstalliert sind und Google eine weite Verbreitung seines Smartphones respektive seines Betriebssystems Android anstrebt.
Somit gräbt sich Google sein etabliertes Geschäftsmodell nicht ab, sondern festigt es und bindet zusätzlich neue Services und damit zukünftig (monetarisierbare) Anwendungsgebiete mit ein. Die Quintessenz daraus ist, dass die Nutzer im Google-Netzwerk bleiben und Google diese Zielgruppen wiederum an Werbetreibende verkaufen kann.
Quelle: GigaOM – Mobile Apps: The Ultimate Threat to Search Engines?